Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gemalt und bin stundenlang in meine Fantasiewelten abgetaucht. Ich war viel in der Natur und baute und bastelte, wo immer mir die Natur ihre Materialien zur Verfügung gestellt hat. Mein Berufswunsch? Natürlich "Künstlerin". All diese wundervollen, kreativen Tätigkeiten verbargen sich hinter diesem großen Wort. 

 

Egal wo ich war, ich gestaltete gedanklich jeden Raum um und störte mich an allen Dingen, die dem Harmoniegefüge im Weg standen. Mit 14 stand fest: Ich werde Innenarchitektin. Mein Vorbild war Gerhard Habermann/Stockstadt, ein Innenarchitekt der alten Schule: Ein durch und durch kreativer Mensch. Nach dem Abitur die Vernunftentscheidung: Eine solide kaufmännische Ausbildung. Dem folgte das Grundstudium Architektur bis zum Vordiplom und anschließend der Wechsel zum Innenarchitekturstudium.

Zum richtigen Zeitpunkt begegnete mir mein wichtigster Mentor in Sachen Innenarchitektur & Kunst: Judith Hillebrand/Mainz. Bei ihr lernte ich all das, was das Studium nicht vermitteln konnte: Es ist nicht wichtig, das Neueste zu haben, sondern das Richtige. Um wen geht es, bei all dem Planen? Und was ist eigentlich ein Künstler?

 

Alles hat seine Zeit: Zeit zum Lernen, zum Arbeiten, und Zeit für die Familie. Familienzeit. Ich habe zwei Kinder und entsprechend verlagert sich der Focus. Zeit für Gesund sein. Heilen. Zeit für die Dinge, die du kennst, weil sie immer da waren aber nicht beim Namen nennen kannst. Energie in all ihren Formen. Zeit für Spiritualität. Und Zeit, mich mit Feng Shui zu beschäftigen.

 

Feng Shui gibt mir die durch „Beobachtung in Regeln gebrachte“ Begründung für meine Bauchgefühle. Verbindet auf eine neue Weise die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Bewohner mit der Wohnsituation. Verknüpft das Energetische mit dem Greifbaren, Materiellen.

Ergänzt wird meine Arbeit aus der Praxisseite, nämlich denen, die das geplante auch umsetzen müssen. Ist die Planung machbar, was wird die Umsetzung kosten? Wird das Budget eingehalten?

 

Durch das Erfassen der Situation, der Umstände, der Wünsche und der Individualität wird ein Konzept erstellt, mit dem der Kunde nach Beendigung unserer geschäftlichen Zusammenarbeit auch alleine weiter gehen kann.

Wer in einer hyper-stylishen-super-trendigen Wohnung leben möchte, ist bei mir falsch. Meine Intension vom guten Entwurfskonzept hat was mit dem persönlichen Leben des Kunden zu tun, will die Sehnsüchte der Kindheit einfangen und den Mensch, der daraus geworden ist.

Die Wohnung darf am Leben Teil haben, an der Veränderung, sollte aber auch die Sicherheit der schützenden Höhle und die Behaglichkeit einer liebevollen Umarmung beinhalten: Der einladende Duft von frisch gebackenem aus der Küche, das knisternde Kaminfeuer und die mollig warme Bettdecke.

 

Die heutige Architektur, das heutige Einrichten ist ein grausamer Spiegel der Schnelllebigkeit unserer Zeit: Die Architekten setzen sich in erster Linie selbst ihre Denkmäler, Bauunternehmen bauen so viele Häuser, die sich doch alle gleich sind: Preiswert. Ohne Seele. Leer. Auf kleinstem Raum möglichst „viel“ Wohnfläche präsentieren. Wo dann später der Staubsauger stehen soll, ist erst mal egal.

Aber welcher Kunde plant aber nach einer solchen Neuplanung/Neuanschaffung noch ein Budget ein, das jetzt noch einen sinnvollen Umbau finanziert?? Die Dinge werden nicht mehr zu Ende gedacht. Wie soll man hier noch „Leben“? Das Wichtigste wird schlicht vergessen: Der Mensch.

 

Ich wünsche mir, dass man beim Durchschreiten der Eingangstür Freude verspürt, endlich wirklich "zu Hause" zu sein.

Ankommen. Sich freuen. Aufatmen. Auftanken. 

 

Anja Lindemann